Mammutmarsch 2017: die Vorbereitung

Wuppertal - Vorbereitung Mammutmarsch 2017 NRW - www.sebastianrennt.deWuppertal - Vorbereitung Mammutmarsch 2017 NRW - www.sebastianrennt.de

In wenigen Tagen werde ich mich auf den Weg machen, um beim Mammutmarsch NRW 100 km in 24 Stunden zu wandern. Warum? Das weiß ich auch nicht. Die 100 km spucken seit dem Beginn meiner Laufkarriere in meinem Kopf herum. Für viele Läuferinnen und Läufer ist die Distanz eine magische Anziehungskraft aus. 100 km zu laufen traue ich mir derzeit noch nicht zu, was vor allem an den ewigen Plagen einer alten Laufverletzung liegt. Da ich aber keinerlei Beschwerden bei längeren Wanderdistanzen habe, versuche ich mich nun auf diesem Wege an der Distanz.

Wie anfangen?

Eine Handvoll Bücher über das Lauftraining stehen in meinem Arbeitszimmer herum. Darunter auch Bücher, die sich mit dem Ultralaufen befassen, aber keines beschäftigt sich mit Langdistanzwanderungen bzw. Ultrawanderungen. Wanderungen werden in den Werken höchstens als Ausgleichssportart thematisiert. Durch eine kleine Recherche im Netz stieß ich auf die Webseite von Carola, die vielen wahrscheinlich als @earnyourbacon bekannt ist.

Carolas Webseite ist eine wahre Fundgrube für Wanderinnen und Wanderer , Läuferinnen und Läufer und alle, die gerne draußen unterwegs sind. Auch zum Mammutmarsch gibt es einige sehr gute Beiträge, die sich dem Thema „Vorbereitung“ widmen oder von bereits absolvierten Märschen berichten. Eine sehr gute Hilfe war der Trainingsplan für den Mammutmarsch,  den Carola veröffentlicht hat und der auch die Basis meines Plans war.

Mein Plan

Im Juni 2017 wollte ich mit dem Training beginnen, um zumindest einigermaßen vorbereitet zu sein. Irgendwie wurde es später und ich begann im Juli mit meiner Vorbereitung. Geplant waren insgesamt fünf Trainingswanderungen, aber absolviert habe ich letztlich nur drei. Der ursprüngliche Plan sah so aus:

1. Wanderung: 25 km in 5 Stunden

2. Wanderung: 35 km in 7 Stunden

3. Wanderung: 40 km in 8 Stunden (Nachwanderung)

4. Wanderung: 45 km in 9 Stunden

5. Wanderung: 55 km in 11 Stunden

Hauskauf, etwas mehr Arbeit im Job und Urlaub mit der Familie führten letztlich dazu, dass ich nur drei Wanderungen geschafft habe.

1. Wanderung über 27 km

Meine erste Wanderung führte mich von Gevelsberg zur Ennepetalsperre. Da ich vorher noch nie Wanderrouten geplant hatte, nutze ich für meine Planung Komoot in Verbindung mit der Navigation meines Forerunner 735xt*. Die App habe ich in der Zwischenzeit wirklich lieben gelernt, da sie mir wirklich tolle Momente in mir bisher unbekannten Gegenden beschert hat. Die Navigation ist wirklich toll gelungen und führt auch bei kleinen Verläufern zurück auf die Route.

Ennepetalsperre - Vorbereitung Mammutmarsch 2017 NRW - www.sebastianrennt.de

Die Talsperre war schon immer ein Ziel, das ich laufend erreichen wollte, aber bisher nie erreicht habe. Die geplante Strecke führte zwar auch oft über Straßen, aber auch durch die Wälder rundum Ennepetal. Ein Wald im Morgengrauen ist schon eine tolle Erfahrung. Die Strecke von 27 km konnte ich in 4:32 Stunden bewältigen; blasenfrei, aber mit üblem Muskelkater in den Waden, der sich möglicherweise durch meine Schuhwahl (Vivobarefoot Hiker*) erklären lässt.

Nach der Wanderung war ich drei oder vier Tage vollkommen geschafft. Mein Gangbild sah etwas komisch aus und sitzen konnte ich auch nicht besonders gut; das kann ja was werden.

2. Wanderung über 35 km

Bei der zweiten Wanderung nutzte ich eine meiner Laufstrecken für lange Läufe, die ich um ein paar Kilometer erweiterte. Daher lief ich auch ausschließlich über Asphalt, was zeitweise etwas zermürbend war. Meine Rundtour führte von Gevelsberg nach Hagen, Volmarstein, Haßlinghausen, Wuppertal und endete wieder in Gevelsberg. Da ich etwas mit dem Schuhwerk experimentieren wollte, startete ich mit meinen Trailschuhen von Salomon, die ich aber nach zehn Kilometern gegen meine Lunas tauschte.

Schuhwechsel - Vorbereitung Mammutmarsch 2017 NRW - www.sebastianrennt.de

Die Entscheidung sollte sich später als nicht besonders gelungen herausstellen. Zwar hatte ich am Ende der Wanderung keinerlei Muskelkater, aber fünf Blasen – vor allem unter den Füßen -, die mich einige Tage ärgern sollten. Mit Zehensocken hätte ich die Blasen sicher vermeiden können, aber die waren nun mal nicht in meinem Rucksack. Lehrgeld. Die Strecke von 35 km konnte ich in 5:33 Stunden bewältigen. Nach der Wanderung stellte sich vor allem die Frage, welche Schuhe ich auf den 100 km tragen würde.

3. Wanderung über 50 km

Die letzte Trainingswanderung hatte Breckerfeld zum Ziel. Mir ging es bei der Tour vor allem darum, etwas mehr Höhenmeter zu bewältigen, als bei den anderen Touren. Mit Startpunkt Gevelsberg ging es über Ennepetal nach Breckerfeld und über Hagen zurück nach Gevelsberg.

Wappenweg - Vorbereitung Mammutmarsch 2017 NRW - www.sebastianrennt.de

Die Strecke führte mich im Morgengrauen durch die Wälder Ennepetals. Meine Petzl Reactik+* konnte ich hier zum ersten Mal richtig einsetzen: Flutlicht im Wald! Es ist wirklich beeindruckend, welche Geräusche man wahrnimmt, wenn man vollkommen alleine im Wald ist.

Breckerfeld - Vorbereitung Mammutmarsch 2017 NRW - www.sebastianrennt.de

Nach ungefähr dreieinhalb Stunden erreichte ich Breckerfeld und mit 412 Höhenmetern den höchsten Punkt auf meiner Tour. Ab Breckerfeld ging es kontinuierlich bergab in Richtung Hagen.

Zwischendurch gab es immer mal wieder einen Ausflug auf wunderschöne Trails in der Umgebung, die ich bisher nicht kannte, aber künftig wohl häufiger gelaufen werden wollen. Wenn man in diesen wunderbaren Wäldern ist, vergisst man doch gleich, dass ringsum in der Welt noch andere Dinge passieren. Ein wunderbarer Kurzurlaub für den Kopf! Die letzten 15 km mussten über Asphalt zurückgelegt werden. Kaum zu glauben, dass es in Hagen auch wirklich schöne Ecken gibt, die zum Verweilen einladen.

Hagen - Vorbereitung Mammutmarsch 2017 NRW - www.sebastianrennt.de

Nach 50 km und 8:34 Stunden erreichte ich – etwas erschöpft, aber sehr glücklich – Gevelsberg. Meine Beine fühlten sich noch recht frisch an und vor allem der Kopf sendete Signale, dass die 100 km in 24 Stunden wohl zu machen sein würden. An den Füßen hatte ich meinen Altra Lone Peak 3.0*. Ein toller Schuh, der Feuchtigkeit jedoch leider wie ein Schwamm anzieht. Das führte dazu, dass ich schon bei der ersten taubedeckten Wiese recht nasse Socken hatte. Hätte ich mich mal doch für NeoShell Variante entschieden. Sollte es trocken bleiben, werde ich mich wohl mit dem Altra auf den Weg machen und ggf. noch Wechselschuhe mitnehmen.

Bin ich vorbereitet?

Wenn nicht körperlich, dann zumindest mental. Bei meiner 50 km Wanderung war ich mehr als 8 Stunden auf den Beinen und hatte eine Menge Spaß dabei, habe jede Minute genossen und mich danach unendlich entspannt gefühlt. Auch der Körper hat die Distanz hervorragend mitgemacht, was mich auch mental sehr gestärkt hat. Natürlich wird der Mammutmarsch eine ganz andere Herausforderung werden, aber ich habe in meinem Kopf unendlich oft durchgespielt, wie ich am 10. September mein Finishershirt entgegennehme, mich in mein Auto setze und am Abend die größte Pizza des Jahres bestellen werde. Zur Pizzeria laufe ich dann ganz sicher nicht mehr. Das wäre einfach übertrieben. Klick um zu Tweeten

Kategorie Termine

Hallo! Mein Name ist Sebastian (@sebastianrennt). Ich bin 35 Jahre alt und mache NICHTS mit Medien. Ende 2013 entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Laufen und bin seither infiziert vom Lauffieber. Laufen gibt mir ein befreiendes Gefühl und macht mich glücklich. Jeder Kilometer mehr in den Beinen macht mich ein Stück freier und lässt den Stress des Alltags verschwinden.

10 Kommentare

  1. Hallo Sebastian

    Das klingt doch schon sehr gut! Wir haben bisher nur eine 28km und eine 46km Ultra-Wanderung mit gemacht und Ersatzsocken kann ich nur wärmstens empfehlen. Wir hatten bei den 46km keine dabei und ab km 5 etwa nasse Füße. Das führte bei mir zu kräftigen Blasen und Humpeln auf den letzten 5km, nicht schön, aber lehrreich. Mammutmarsch steht bei uns aber auch noch auf der Wunsch-ToDo-Liste 🙂

    Ich wünsche dir ganz viel Spaß!

    • Danke Dir, Johannes! Die Trainingswanderungen waren echt eine gute Erfahrung, um eine möglichst vollständige Liste der Dinge zu haben, die mit auf die Tour müssen. Ich bin schon recht nervös, aber das wird sich bis Samstag noch legen.

  2. Hi Sebastian!
    Ich bin überzeugt, dass deine Vorbereitungen ausreichen werden, damit der Mammutmarsch für dich ein echtes und positives Erlebnis werden wird – auf jeden Fall wünsche ich es dir!
    T-3
    🙂
    In jedem Fall ganz viel Spaß!
    Matthias

  3. Ich hoffe es wird ein großartiges Erlebnis!
    Und wenn Du mal wieder Zeit und Muße hast früh und länger zu alufen, zeige ich Dir gerne noch ganz viele tolle Ecken in Hagen. 😉
    Zu den Füßen und Blasen: besorge Dir eine Tube Scholl Hirschtalg Extreme. Schmier die Füsse vor dem Marsch ein. Macht die Haut nicht nur geschmeidiger/elastischer, sondern verhindert auch ein aufweichen der Haut, wenn die Füsse nass werden. Nimm die Tube mit auf die Tour um später nochmal nachzuschmieren. Ist auch nützlich, wenn unterwegs noch wundscheuern an anderen Stellen droht (Wolf, Achsel, Brustwarzen).
    Ansonsten ganz viel Genuß und einen sturen Kopf in den schwierigen Momenten!

  4. Und ich habe mich gestern Abend noch gefragt, wann Du zum Mammut wirst. Wird sicherlich eine krasse Erfahrung. Wie auch bei den Ultratrainingsplänen finde ich den Sprung von der längsten im Training gelaufenen Einheit zum Ernstfall heftig. Aber irgendwie funktioniert es dann ja doch immer. 🙂

    Ich wünsche Dir viel Erfolg und vor allem gutes Wetter. Bei einer Wanderung nimmt man ein Wegbier mit, oder?

    • Das stimmt: Irgendwie funktioniert es immer. Und man hat ja viel Zeit. 50 km in 8,5 Stunden habe ich geschafft und für die restlichen 50 km blieben da noch 15,5 Stunden. Das sollte zu machen sein. Ich glaube, dass ich das Bier erst hinterher trinke. Man kann so schlecht aufhören, wenn man einmal angefangen hat. Zumindest war das bei meinen Urlaubswanderungen durch Prag so ;).

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