Ein bisschen mehr und ein bisschen weniger … 2016 in Wörtern

Rückblick 2016 - © deathbystock - www.sebastianrennt.de

Durch meine Sehnenentzündung im Fuß habe ich beinahe den Gedanken an eine „Laufkarriere“ verworfen. Klingt hart, ist aber so. In den letzten zwölf Monaten musste ich mich ständig selbst motivieren und disziplinieren, um dem Laufsport nicht den Laufpass zu geben. Motivierender Zuspruch kam von Freunden, aus den Sozialen Medien und von Laufkollegen, aber nach mehr als einem Jahr will niemand mehr etwas von deinem Leid hören. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Man könne ja aufhören mit der Lauferei und sich dem Radfahren widmen, sagten einige. Aber wenn du Läufer bist, steigst du nicht alternativ aufs Rad oder bedeckst deine Augen mit einer Schwimmbrille. Das machst du höchstens zusätzlich.

Mehr erfahren

Die Erfahrungen, die ich in den letzten Monaten gesammelt habe, waren schmerzvoll, lehrreich und disziplinierend zugleich. Schmerzvoll, weil ich nicht laufen konnte. Lehrreich, weil ich viel über mich und die Qualität gut gemeinter Ratschläge gelernt habe. Und zuletzt disziplinierend, weil ich mich ständig selbst bremsen musste, wenn ich Besserung spürte.

Mehr entspannen

Mittlerweile laufe ich wieder regelmäßig, aber deutlich weniger als zuvor. Einerseits, weil die Belastbarkeit meines Fußes noch nicht wieder so ist wie zuvor, und andererseits, weil ich mittlerweile glaube, dass ich gar nicht so viel laufen muss, um bestimmte Ziele zu erreichen. Entspannung, die ich mir früher durch das Laufen holte, hole ich mir heute durch Meditation. Klar, es ist eine andere Art der Entspannung, aber sie fühlt sich für mich gut an und ich muss meinen Körper dafür nicht belasten. Zudem hat mich die regelmäßige Meditation mental gestärkt. Das kommt mir nicht nur beim Laufen zugute.

Mehr Stabi- und Mobilitätstraining

Dass ich wieder regelmäßig laufen kann, schreibe ich vor allem dem vermehrten Stabi- und Mobilitätstraining zu. Die Übungen, die mir meine Physiotherapeutin zeigte, wirkten schon nach wenigen Wochen. Die Übungen sind zwar sterbenslangweilig, aber wenn es hilft, mache ich sie dennoch gerne. Wenngleich ich mich oft dazu überreden muss und zunächst Zeit finden musste.

Mehr Urlaub von innen

Zu Yoga muss ich mich nicht überreden und die Effekte auf Stabilität und Mobilität sind nicht zu verachten. Tägliches Yoga ist für mich in der Kombination mit Mediation eine Wunderwaffe gegen die Strapazen des Alltags geworden. Ich sehe viele Dinge anders, gelassener und bewege mich achtsamer durch die Welt. Achtsamer gegenüber mir selbst und gegenüber meiner Umwelt. Meditation und Yoga sind für mich zu einer Art „Urlaub von innen“ geworden, aber für Urlaub braucht man auch Zeit.

Mehr Zeit

Irgendwann zum Jahresbeginn stolperte ich über ein besonderes Buch „The Miracle Morning: The Not-So-Obvious Secret Guaranteed to Transform Your Life (Before 8AM)“ von Hal Elrod. Das Buch hat mir Zeit, Motivation, Lebensfreude und Ziele geschenkt, aber vor allem Zeit. Zeit, die ich für all die Dinge nutzen kann, die mir wichtig sind und nichts mit der Familie zu tun haben: Yoga, Meditation, Stabiübungen, Lesen, Ideen entwickeln und vor allem Nachdenken und Schreiben. 

Weniger Schuhwerk

„Viel hilft viel“, sagt man. Bei Schuhen habe ich im vergangenen Jahr ganz andere Erfahrungen gemacht. Viele meiner kleinen Fußprobleme sind verschwunden seitdem ich minimales oder gar kein Schuhwerk mehr trage. Sicherlich tragen auch Stabi- und Mobilitätstraining dazu bei, aber aus meiner Sicht ist das läuferische Fundament vor allem durch den konsequenten Verzicht auf geführtes und enges Schuhwerk stärker geworden. Ich trage zwar hin und wieder noch Laufschuhe, aber die meiste Zeit bin ich – auch im Alltag – entweder barfuß oder mit „Barfußschuhen“ unterwegs. Für mich eine kleine Umstellung mit großem Effekt.

Weniger Tier

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr genau, wann es genau dazu kam, dass ich zunächst auf Wurst, dann auf Fleisch und später auf sehr viele tierische Produkte verzichtet habe. Warum ich das mache, kann ein großer Teil meiner Umwelt nicht verstehen. Für mich ist aus einer zunächst gesundheitlichen Entscheidung eine ethisch/moralische Entscheidung geworden. Der Konsum von Fleisch und sonstigen Produkten, die durch den Einbezug von Tieren in den Produktionsprozess hergestellt werden, ist für mich nicht mehr vertretbar. Wobei ich mir in einigen Punkten – z. B. Honig – noch immer nicht sicher bin. Die Umstellung hin zu einem mehr oder weniger veganen Leben, ist fast eine eigene Lebensaufgabe und braucht aus meiner Sicht viel Zeit für Informationssammlung, Anpassung, Experimente und SensibiIisierung des Umfeldes. Im letzten Jahr konnte ich einen kleinen Grundstein legen.

Ausblick 2017

Ausblick 2017 - © deathbystock - www.sebastianrennt.de

Ausblick 2017 – © deathbystock – www.sebastianrennt.de

Ich plane, nicht zu planen. Im letzten Jahr habe ich versucht mein sportliches Jahr zu planen und es hat in den seltensten Fällen geklappt. Darum lasse ich mich 2017 einfach weiter treiben, verlasse mich auf meine Intuition und höre auf mein Körpergefühl. Das sportliche Jahr wird spontaner werden und die Läufe lokaler. Warum in die Ferne schweifen, wenn die guten Läufe doch so nah liegen?

Ab Januar beginne ich mit einem Kurs in Hatha-Yoga, den mir meine Frau zu Weihnachten geschenkt hat. Ich glaube, dass ich damit schon mein sportliches und persönliches Highlight für das Jahr 2017 gefunden habe. Zwar steht damit in jeder Woche ein fixer Termin im Kalender, aber es ist ein anderer „Druck“ als auf läuferische Wettkämpfe hinzuarbeiten. Zudem freue ich mich, dass ich mich noch ein Stück weiter weg vom Smartphone entfernen kann und mich einer realen Yogalehrerin zuwenden kann, wenn ich Fragen habe. Und überhaupt: 2017 soll weniger online stattfinden.

 

Kategorie Allgemein

Hallo! Mein Name ist Sebastian (@sebastianrennt). Ich bin 35 Jahre alt und mache NICHTS mit Medien. Ende 2013 entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Laufen und bin seither infiziert vom Lauffieber. Laufen gibt mir ein befreiendes Gefühl und macht mich glücklich. Jeder Kilometer mehr in den Beinen macht mich ein Stück freier und lässt den Stress des Alltags verschwinden.

14 Kommentare

  1. Also das Buch steht auch bei mir immer noch auf dem Plan. Ich denke, dieses Jahr sollte es doch mal damit klappen. Eins hat für mich dieses Jahr auch wunderbar geklappt. Ich konnte meine eigene Yogapraxis mehr strukturieren und höre noch mehr auf meinen Körper und Geist, um ihnen das zu schenken, wonach sie sich sehnen.

    Deinen Plan für das Nicht-Planen finde ich wirklich wunderbar. Eine schöne Zeit wünsche ich dir damit. Happy New Year.

    • Wünsche Dir ebenfalls ein tolle und gesundes neues Jahr :). Das Buch ist wirklich gut. Ich gucke immer mal wieder rein und lasse mich inspirieren. Yoga und Meditation sind unheimliche Lehrmeister, die mein Leben bisher ausschließlich bereichern konnten. Wenn man Yoga als Weg verstanden hat, kann es sicherlich ein langer und schöner Weg werden.

      • Ganz lieben Dank! Ich denke auch, dass ich für mich einen schönen Weg mit Yoga gefunden habe. Momentan begeistern mich unfassbar Mudras und Atemübungen.

        Hast du das Buch eigentlich auf Deutsch oder in Englisch gelesen?

        • Ich habe beide gelesen. Ich hatte zuerst das englische Buch und habe nun noch das deutsche Buch als Rezensionsexemplar bekommen. Die deutsche Version lässt ich etwas besser lesen, finde ich, aber die englische Ausgabe kostet weniger als die Hälfte.

  2. Hi Sebastian,

    danke für die Info. Ich lese eigentlich immer lieber das Original, aber in diesem Fall hört sich ja die deutsche Fassung fast besser an, wenn es dann auch verständlicher wird und einfacher zu lesen ist. Das neue Buch hört sich ja auch gut an. Ich habe mal einen Workshop zu Atemübungen mitgemacht und muss sagen, dass mir bis auf Kapalabhati, alles sehr gut mit meinem Asthma bekommt.

  3. Kann ich den Text übernehmen? Ähnliche Gedanken für 2017 habe nämlich ich auch. Allein fehlt mir gerade die Wortwahl. Schreibblockade nennt man das wohl.

  4. Hallo Sebastian,
    schöner Artikel, finde mich hier wieder.
    Hatte ebenfalls lange Achillessehnenprobleme und bin deshalb auch sehr am rumprobieren.
    Stärkung der Waden und Füße ist für mich auch sehr wichtig und gut warm machen.
    Dir Gesundheit und schöne Läufe.
    VG. Günther

    • Hey Günther, man lernt immer dazu. Besonders, wie wichtig Dehnen, Stabi und Kraft sind. Das Lehrgeld hätte ich nicht unbedingt zahlen müssen, aber was will man machen ;). Wünsche Dir ein tolles Jahr und viele gesunde Läufe.

      Sebastian

  5. Hi, ich bin sozusagen ein Leidensgenosse. Auch ich muß eine längere erzwungene Laufpause einlegen, und musste lernen nicht sofort nach einer sichtlichen Besserung gleich wieder zu viel zu wollen. Mein Fokus in den letzten Wochen war sicher auch das Stabitraining und das hat mich schlussendlich wieder auf die Beine gebracht. Ebenso habe ich meine Ernährung etwas umgestellt und ich plane vorerst auch nur lokale Läufe.
    LG, Robert

    • Hi Robert, was war es denn bei Dir? Stabi wird einfach total unterschätzt. Kraft aber auch. In meiner Laufpause habe ich sehr viel Kraftausdauer trainiert und z. B. auf meine 10k Bestzeit keine Einbußen gehabt. Ging natürlich auf die Ausdauer, aber die kommt auch schnell zurück. VG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.